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Die Dynamik von Kindesmissbrauch: Erste Anzeichen werden meist verharmlost

Markus Oirer zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Arzt und Kirche

Wien (pts030/29.06.2011/12:20) - Der aktuelle Fall des Allgemeinmediziners, der in Linz und Wien ordiniert und im Verdacht des Kindesmissbrauchs steht, bestätigt Markus Oirer - selbst Missbrauchsopfer -, dass der Umgang mit diesem Thema in unserer Gesellschaft nach wie vor viel zu lasch und gleichgültig ist: "Ich sehe hier Parallelen zu meinem Fall; bereits vor Jahren wurden Anzeigen gegen den Arzt erstattet, denen jedoch nicht ausreichend nachgegangen wurde", so Markus Oirer, der seine Missbrauchsgeschichte in "Aus Tränen werden Kristalle. Abrechnung einer missbrauchten Seele" (erschienen im Goldegg Verlag) aufgeschrieben hat. In seinem Buch schildert er nicht nur sein persönliches Schicksal, seine Erfahrung mit der Exekutive und dem Missbrauchsrecht, sondern bearbeitet auch die Frage nach der Dynamik von Kindesmissbrauch in unserer Gesellschaft.

Die jüngsten Vertuschungsvorwürfe gegen Kardinal Schönborn und die Diskussion einer Anzeigenpflicht bei Missbrauch verfolgt Oirer kritisch; vor vier Jahren, als er seinen Fall vor der Missbrauchskommission der Diözese Linz vortrug, wurde nicht gehandelt, sondern es wurden weitere Zeugen gefordert. Markus Oirer zeigte den Täter an und äußerte dabei seine Befürchtung, dass er sich nach wie vor an Kindern und Jugendlichen vergehen könnte. Seinen Verdachtsmomenten wurde jedoch aus seiner Sicht nicht nachhaltig nachgegangen. Der Täter bewegt sich nach wie vor in Vereinen, in denen er Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hat, obwohl der Autor bei seinen Recherchen festgestellt hat, dass offensichtlich viele im Ort die sexuellen Vorlieben und Neigungen dieses Mannes ahnen. Erst heute muss sich der Täter vor der Kommission verantworten.

"Wenn die Gesellschaft nicht beginnt, beharrlich auf Missbrauchsanzeichen zu achten und die Exekutive den Aussagen nicht konsequent nachgeht, werden wir die Frage 'Wie konnte das jahrelang passieren?' immer wieder hören", ist Oirer überzeugt. Der ehemalige Präsident des Jugendgerichtshofs und Mitglied der Klasnic- Kommission Udo Jesionek sagt im Ö1 Journal Panorama-Interview vom 9. Mai 2011 zum Fall von Markus Oirer, wenn Verdachtsmomente bestehen, müsse das Landeskriminalamt ordentlich ermitteln, ohne sich um die Verjährungsfristen zu kümmern.

Die gesetzlich kurzen Verjährungsfristen sind jedoch oft ein Grund dafür, weshalb keine Energie in die Ermittlungen bei bereits länger zurückliegenden Anzeigen investiert wird, kritisiert Oirer. Ein weiterer Aspekt ist der meist höhere gesellschaftliche Status des Täters, dessen Aussage oft mehr Glauben geschenkt wird als der des Opfers. Das zeigt der Fall des oberösterreichischen Arztes sehr gut auf und ist auch in Oirers Geschichte ähnlich gelagert. "Die Unsicherheit von Familie, Nachbarn oder Bekannten der Opfer, aber auch von Politik und Exekutive nützen die Täter aus; sie können jahrelang Kinderseelen zerstören, ohne zur Verantwortung gezogen werden. Diesen Vorgängen trete ich aktiv entgegen, indem ich meine eigene Geschichte zur Verfügung stelle und unermüdlich für unsere Kinder und eine Veränderung in der Gesellschaft kämpfe."

Aus Tränen werden Kristalle. Abrechnung einer missbrauchten Seele, Markus Oirer, Hardcover, 231 Seiten

ISBN 978-3-902729-25-5, Erschienen im Goldegg Verlag

http://www.goldegg-verlag.com

Bild oben: Aus Tränen werden Kristalle, Goldegg Verlag

Reader's Digest macht gegen Pädophile mobil

Magazin startet Kampagne und fordert Notfall-Button im Internet

Stuttgart (pte026/01.07.2011/13:56) - Das Magazin Reader's Digest startet eine Aktion zur Bekämpfung von pädophilen Online-Angriffen auf Kinder. Ziel der Kampagne ist die Einführung eines Notrufknopfes auf Webseiten, der den Kindern rund um die Uhr eine Verbindung zur Polizei herstellen soll. "Es ist sehr traurig, dass sich in dieser Hinsicht nichts tut, deshalb ist es höchste Zeit, dass sich etwas ändert", erklärt Uwe Horn, Pressesprecher von Reader's Digest, im Gespräch mit pressetext. Reader's Digest will seinen Beitrag zur Aufklärung unter anderem mit einer Artikelreihe leisten. Eltern und Jugendlichen soll aufgezeigt werden, wie man sich im Internet vor derartigen Angriffen schützen kann.

Gefahr im Internet

"Pädophile sind aus Parks und Schulhöfen in das Internet umgezogen", so heißt es auf der Kampagnen-Website http://www.protectchildrenonthenet.com/de/ . Jugendliche und Kinder können ganz einfach zu Opfern von Cyber-Pädophilie werden. Die Redaktionsarbeit bei Reader's Digest hat gezeigt, dass dieses Thema immer wieder aufflammt, es aber keine Fortschritte im Schutz der Kinder gibt. "Viele Medien und NGOs bemühen sich um dieses Thema und nichts passiert! Es muss etwas passieren", so Horn.

Der Aktionsaufruf soll zu der Einführung eines Internet-Notfall-Buttons führen, mithilfe dessen der User per Klick sofort mit der Polizei verbunden wird. In Großbritannien gibt es bereits einen solchen Internet-Hilfe-Button. So wird das allzu leichte Spiel, das Pädophile im Internet oft haben, etwas eingegrenzt und Kinder können sich selbst gegen mögliche Angriffe schützen. Dazu sollen sowohl Regierungen, als auch die Internet-Branche, wie beispielsweise Provider, bewegt werden.

Pikantes Thema für die Politik

Neelie Kroes, die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Verantwortliche für die "Digitale Agenda", beteiligt sich aktiv an der Aktion. Sie legte ihren "Statusbericht zur Digitalen Union" vor und machte sich in ihrer Rede für den Schutz von Kindern im Internet stark. "Man muss den Kindern nicht nur in der realen Welt beibringen, wie man zu handeln und sich zu verhalten hat. All das müssen wir auch in der virtuellen Welt tun", so Kroes.

Bevor allerdings die Politik aktiv wird, sind die Bürger gefragt. Uwe Horn zu pressetext: "Die Bürger müssen aktiv werden, um so Druck auf die Regierungen zu machen." Denn obwohl Online-Grooming, das Erschleichen kindlichen Vertrauens im Internet, bereits strafbar ist, hat der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet oberste Priorität. Und dafür setzt sich Reader's Digest mit der Kampagne ein.

QUELLE : PRESSETEXT

Readers Digest macht gegen Pädophile mobil (Foto: Readers Digest)

Prävention von sexuellem Missbrauch und Gewalt auf Kinder- und Jugendreisen

Empfehlungen vom REISENETZ - Deutscher Fachverband für Jugendreisen

Sexueller Missbrauch entsteht in Systemen, die über ausgeprägte hierarchische Strukturen verfügen. Neben  Sportvereinen, Schulen, Kirchen, Schulen und  Familien trifft dies unter Umständen leider auch auf Kinder- und Jugendreisen zu.

Betreuer/innen haben durch die Übernahme der Aufsichtspflicht eine vorgesetzte Stellung gegenüber den Reiseteilnehmern. Besonders männliche Betreuer erhalten durch diese Autorität häufig eine besondere Attraktivität für pubertierende Teilnehmerinnen. Darauf vorbereitet werden die Betreuer qualitätsorientierter Reiseanbieter in Schulungen, wie sie z.B. durch das REISENETZ-Qualitätssiegel verlangt werden. Schließlich muss pädagogisch geschultes Personal auch mit der Pubertät von Jugendlichen umgehen können.

Das REISENETZ gibt zur Prävention konkrete Empfehlungen, da eine professionelle und transparente Organisationsstruktur auch andere Formen der Gewalt vermeiden kann - ob zwischen Reiseteilnehmer/innen oder durch Übergriffe des Betreuungspersonals.

* Große Altersunterschiede innerhalb der Reisegruppe gilt es zu vermeiden. Das Betreuungspersonal muss in der Lage sein, ein Vertrauensverhältnis zu den Teilnehmern zu entwickeln und muss sensibel sein für Signale und Hinweise, um Risiken frühzeitig zu erkennen.

* Die Betreuerteams sollen in der Lage sein, eine gegenseitige Kontrollfunktion auszuüben. Das bedingt auch, Anzeichen von sexuellem Fehlverhalten bei Kollegen/innen frühzeitig erkennen zu können und dann umgehend entsprechend zu agieren.

* Sexuelle Kontakte zwischen Betreuungspersonal und Reiseteilnehmer/innen sind natürlich in keinem Fall zu dulden. Das REISENETZ spricht sich daher auch dafür aus, nur volljähriges Betreuungspersonal einzusetzen und dabei zusätzlich einen angemessenen Altersabstand zwischen Teilnehmer/innen und Betreuer/innen zu gewährleisten.

* Als weiteren Baustein rät das REISENETZ ausdrücklich, nur Betreuungspersonal nach Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses einzusetzen. Obwohl diese Forderung zum jetzigen Zeitpunkt nicht von allen Institutionen der Kinder- und Jugendreisen mitgetragen wird.

Jedem Verdachtsfall ist unbedingt nachzugehen und mit  allen zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln zu verfolgen.  Vor allem aber bei den vielfältigen Anbietern mit eher geringer Organisationstiefe wie karitativen Einrichtungen, Vereinen oder Kirchengemeinden, die nur sehr unregelmäßig Jugendreisen durchführen, ergibt sich die Betreuerauswahl vermutlich oft nur aus persönlichen Beziehungsstrukturen, die mitunter zwar über lange Zeiträume gewachsen sind, aber dafür kaum auf Grundlage fundierter Auswahl und belastbarer Prüfverfahren erfolgen. Das blinde Vertrauen überwiegt hier oftmals, Schulungen oder Weiterbildungsmaßnamen zur Prävention von sexueller Gewalt bzw. Missbrauch nach Maßgabe der genannten Empfehlungen sind hier jedoch in aller Regel wohl eher die Ausnahme.

Globaler "Alarmknopf" fürs Internet bereits in der Entwicklung                                 Berlin - Die Organisation "no abuse in internet" (naiin) arbeitet derzeit bereits an einem mehrsprachigen "Alarmknopf" fürs Internet. Das gab die Einrichtung, die seit fast 11 Jahren auch eine Internet-Beschwerdestelle betreibt, in Reaktion auf eine Forderung des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) am Donnerstag bekannt. "Die Idee ist nicht neu. Und wir sind unlängst dabei, die technischen Voraussetzungen für den datenschutzkonformen Betrieb eines solchen mehrsprachigen Tools zu schaffen. Wir setzen dabei technologisch auf unser Beschwerdestellen-System auf, das wir in diesem Jahr komplett überarbeitet haben", erklärt Rene Zoch, 2. Vorsitzender von naiin. Eine Reaktion auf die Anschläge von Norwegen sei dies aber nicht. Die Planungen waren nach Angaben der gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation schon Anfang 2010 angelaufen.Der neue, globale "Alarmknopf", mit dem Internet-Nutzer illegale Internet-Inhalte künftig noch schneller melden können, soll nach aktueller Planung im Laufe des nächsten Jahres ausgereift sein und in zahlreichen Sprachen zur Verfügung stehen. "Von nationalstaatlichen Alleingängen ist im Internet-Zeitalter nur abzuraten", begründet Zoch. Unklar sei aber noch der Verbreitungsweg des Buttons. Zumal bisherige Gehversuche anderer Organisationen auf diesem Gebiet nicht die Akzeptanz der Nutzer gefunden hätten. "Ein Add-on für die gängigsten Web-Browser und deren unterschiedliche Versionen ist nur eine Option. Bei uns liegen noch andere, vielversprechende Konzepte auf dem Tisch, bei denen keine Installationen seitens des Nutzers erforderlich sind", erläutert der stellvertretende naiin-Vorsitzende. Unwahrscheinlich sei es aber, dass das Tool "Alarmknopf" heißen werde.Zugleich warnte naiin Behörden und andere Einrichtungen davor, sich kopflos in den Betrieb einer solchen Lösung zu stürzen: Der personelle Aufwand bei der Hinweis-Bearbeitung sei, gerade wenn sich der "Alarmknopf" rasch verbreite, nicht zu unterschätzen. Darüber hinaus sei erfahrungsgemäß zu erwarten, dass es sich beim überwiegenden Teil der Hinweise, die über den "Alarmknopf" eingehen werden, um falschen Alarm handeln werde. "Ein solcher Button ist kein Löschknopf! Alle Hinweise müssen vorab geprüft und qualifiziert werden. Daher müssen auch wir unser System in den nächsten Monaten um weitere Komponenten ergänzen, die bestimmte Bearbeitungsprozesse weiter automatisieren und das System an sich noch intelligenter machen", so Zoch. Erst dann könne der "Alarmknopf" aufgesetzt werden. Weitere Informationen unter www.naiin.org

Über naiin

naiin - no abuse in internet (Aussprache: "nein") wurde am 18. August 2000 von Vertretern der Zivilgesellschaft, Internet-Wirtschaft und Politik gegründet. Als gemeinnützige Nichtregierungsorganisation setzt sich naiin seitdem weltweit gegen alle Formen der Online-Kriminalität sowie für die Stärkung von Bürgerrechten und für einen verbesserten Verbraucher- und Datenschutz im Internet ein. Dabei ist naiin dank seiner gemeinsam von Netzgemeinde und Internet-Wirtschaft finanziell getragenen Struktur so einzigartig wie unabhängig. So unterstützen weltweit bereits zahlreiche Unternehmen und zahllose Verbraucher die Organisation. naiin betreibt eine der weltweit größten Internet-Beschwerdestellen, bei der Nutzer illegale Inhalte, auf die sie im Internet zufällig gestoßen sind, beanstanden können. In seinen Eigenschaften als Selbstregulierungs- sowie Verbraucherschutzorganisation geht naiin den eingehenden Beschwerden nach und ergreift technische sowie juristische Maßnahmen gegen rechtswidrige Inhalte und deren Urheber. Dabei arbeitet naiin weltweit mit Internet-Diensteanbietern - so genannten Providern - und mit Strafverfolgungsbehörden zusammen. In Deutschland ist die Beschwerdestelle für illegale Internet-Inhalte direkt unter www.beschwerdestelle.de erreichbar.

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